Ein Geräusch im Ohr, das nur der Betroffene selbst wahrnimmt und das ohne externe akustische Stimulation auftritt, nennt man Tinnitus. Etwa 5-10% der Bevölkerung leiden unter mehr oder weniger stark ausgeprägtem Ohrgeräusch, aber nur 10 Prozent davon benötigen ärztliche Unterstützung.

Ein Tinnitus, der den Betroffenen irritiert oder stört, sollte HNO-ärztlich abgeklärt werden, um behandelbare Ursachen auszuschliessen, sei es Ohrenschmalz der auf dem Trommelfell liegt, Erkrankungen des Kiefergelenks oder eine Stoffwechselstörung. In den allermeisten Fällen tritt ein Tinnitus ohne ersichtliche Ursache (idiopathisch) auf. Die häufigste bekannte Ursache stellt sicherlich die Lärmschädigung dar. Im Rahmen eines Hörsturzes kommt es in vielen Fällen ebenfalls zu einem Tinnitus.

In den allermeisten Fällen genügt es, den Betroffenen zu erklären, dass auf Grund der durchgeführten gründlichen Untersuchung keine gefährliche Erkrankung hinter einem solch störenden Geräusch steckt. Stört der Tinnitus vorwiegend in ruhiger Umgebung (z.B. beim Einschlafen), ist es ratsam, sich mit etwas Hintergrundmusik abzulenken. Entspannende Verfahren wie autogenes Training, Yoga, Thai-Chi und Qi Gong können helfen mit dem störenden Geräusch besser umzugehen. Eine weitere Therapieoption stellen die Noiser dar. Diese Geräte werden wie Hörgeräte getragen, sie geben ein kontinuierliches leises Rauschen ab. Dieses „Konkurenzgeräusch“ soll den Betroffenen vom eigenen Tinnitus ablenken. In gravierenden Fällen kann es notwendig sein, eine psychotherapeutische Behandlung einzuleiten mit dem Ziel, besser mit dem Geräusch umgehen zu können.

Ob ein Tinnitus sich im Verlauf verstärkt, hängt insbesondere damit zusammen, wie der Betroffene mit dem Geräusch umgeht. Wird der Tinnitus als etwas Bedrohliches, Beängstigendes wahrgenommen, konzentriert man sich nur noch auf den Ton oder wehrt man sich dagegen, ist die Gefahr gross, dass sich das Geräusch kontinuierliche verstärkt und die Situation schlussendlich dekompensiert. Durch negativen Stress (Beziehungsprobleme, Druck am Arbeitsplatz, Prüfungsstress, etc.) kann sich ein vorbestehender Tinnitus deutlich verstärken.